Olga Wiedenhoeft

Malerin, Künstlerin

Olga, warum hast du dich dazu entschlossen, als Künstlerin zu arbeiten?

Künstlerin zu sein ist kein Werdegang, es ist eine Haltung. Ich muss keinen Pinsel halten oder als Bildhauer arbeiten, um Künstler zu sein, das ist eine innere Einstellung. Es ist die Art die Welt zu sehen, man sieht Kunst, ich sehe die Welt durch Kunst.

Für diesen „Traumberuf“, wenn man das so sagen kann, gehe ich Kompromisse ein, wie nicht genug Geld zu verdienen und investiere Zeit und bekomme erstmal nichts zurück. Wenn das eine längere Zeit geht, kann ich das nur, wenn es Spaß macht.

Kunst kann ich nicht nebenbei machen, ich brauche Zeit, es ist ein Produkt von meinem Inneren. Das geht nicht, wenn man abgelenkt ist, weil man arbeiten muss, oder faul sein möchte, schlafen will, oder von tausend Dingen, die man sonst noch so im Leben erledigen muss.
Künstler – oder Literaten – haben die Aufgabe dranzubleiben und etwas zu Ende zu denken, deshalb hat Kunst so eine Resonanz bei den Menschen
Menschen erkennen in Kunst etwas wieder, es löst in ihnen eine Reaktion aus, sie identifizieren sich.

Wie siehst du die Welt als Künstlerin?

Als Kind habe ich gedacht, alle anderen sind sich einig in ihren Mustern, irgendwie habe ich da aber nicht so reingepasst, ich stand ein bißchen außerhalb und beobachtete das und sah es anders. Ich war da vielleicht vier Jahre alt und habe das gar nicht verstanden und hab gedacht, es liegt wahrscheinlich an meiner auffällig bunten Jacke. So etwas Verrücktes.

Oft bekomme ich zu hören: das ist ja ein schönes Bild oder eine schöne Beschreibung oder ein skuriler Gedanke – vielleicht zu etwas Banalem.
Ich komme aus Russland, meine Muttersprach ist Russisch. In Deutschland fragt man mich oft in welcher Sprache träumst du? Aber ich träume eigentlich keine Sprache, keine Worte oder Wörter, ich träume Bilder, Empfindungen, Sequenzen, Farben…

Der Kunstmarkt boomt, es wird viel in Kunst investiert. Wie sind die Aussichten für Künstler?

Zum einen ist es immer noch so, dass der Prozentsatz der Künstler, die richtig viel Geld verdienen, gering ist. Die Kunst-Akademien spucken ja jedes Jahr Abolventen in die Welt hinaus aber die meisten müssen auch andere Jobs machen, vielleicht etwas, das mit Kunst zu tun hat, zum Beispiel lehren sie in Schulen oder geben Kurse.

Andererseits ist die Zeit heute so: Kunst ist jetzt Zeitgeist, Kunst hat einen besonderen Wert, Kunst ist hip.
Wenn du ein bestimmtes Niveau erreicht hast, dann bist du eine Investition und da ist es tatsächlich so, dass Bilder gekauft, gelagert und bewusst für Jahre der Öffentlichkeit entzogen werden, um ihren Wert zu steigern. Wenn sie rar sind, beflügeln sie die Neugier. Museen und Galerien suchen immer nach etwas Neuem, nach einem besonderen Kick.

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