Dirk Pfister

der Gentleman Trainer

Gentleman Trainer

Wir brechen auf zu unserem ersten inszenierten Fotoshooting. Ich bin vor allem an den spannenden Elementen aus Dirk Pfisters Programm interessiert, wie Flaschen werfen, Hubschrauber fliegen, mit Frauen tanzen oder sie aus brennenden Hotelzimmern retten. Dirk hat schon etwas vorbereitet, das erste Motiv: Der Gentleman und sein neuer Aston Martin. Für den Einsatz bei seinen James-Bond-Events mietet er regelmäßig allerlei Männer-Spielzeug an. Unsere Location: ein Parkplatz im Industriegelände in einem Vorort von Mannheim. Brütende Hitze an einem dieser Sommertage. Während es die meisten im Team – dabei sommerlich leicht bekleidet – in die Schattenbereiche zieht, scheint sich Dirk überhaupt nicht zu stören an seinem Platz im direkten Sonnenlicht am Set. Und das auch noch im schwarzen, maßgeschneiderten Anzug. Er meint nur ihm wäre auch nicht wärmer als uns, wie bei vielen Wüstenbewohnern, die würden sich auch komplett bekleidet in der Hitze bewegen. Nach dem ersten Shooting Ortswechsel zum zweiten Set am Mannheimer Hafen, wo Dirk eine Yacht testet und einen eigenen Kran stehen hat, um das Abseilen zu trainieren.

Ich lernte Dirk auf einer Veranstaltung kennen, mit seinem Event-Team war er für ein paar ganz besondere Highlights zuständig. Er baute einige seiner – wie er sie nannte – Module auf: eine Vorrichtung zum Abseilen, ein Stand an dem man Handschellen öffnen lernt, ein Schießstand mit Laserpistole und ein ganzes Casino mit mehreren Tischen für Roulette, Poker und Blackjack. Ich war begeistert von Dirk und seinen Erzählungen, dem selbsterklärten Abenteurer und James Bond Fan. Wir unterhielten uns die halbe Nacht über Kommunikation, Psychologie, Philosophie. Mir war schnell klar, dass ich Dirk gerne für mein Fotoprojekt über Menschen mit Traumberuf portraitieren würde. Wir einigten uns auf einen Fototermin im nächsten Sommer. Ich rechnete mit ein paar Stunden Shooting-Zeit, er bot mir stattdessen an, ihn gleich für ein paar Tage zu besuchen. Es wurden drei sehr spannende und lehrreiche Tage.

Wir verabredeten uns am ersten Tag im Athleten Club Altrip, einem Sportverein, wo Dirk Unterricht in Kampfsport gab. Nach einer Einheit Selbstverteidigung stand an diesem Tag Boxen auf dem Programm. Der eigentliche Kursleiter war Dirks Vater und Dirk gab eine Art Gastdozenten-Stunde. Die Gruppe hatte er einst selbst ins Leben gerufen und später, als sich Aufträge für ihn als Stilberater, Trainer, Event-Manager und Speaker häuften, an seinen Vater weitergegeben. Die Stilberatung „Treffsicher Kleiden“ für gut dotierte aber schlecht angezogene Männer war seine erste Geschäftsidee, er erkannte darin eine Nische und die Möglichkeit sein Bond-Faible als Business umzusetzen. Später kamen die Bausteine „Gentleman Training“, „Gentleman Action“ und schließlich „James Bond Events“ hinzu. Außerdem erschien sein mit anderen Autoren verfasster Ratgeber „Business Knigge für Männer“ bei Haufe.

Nach der ersten Station im Sportclub fuhren wir zu Dirks persönlichen Trainingsort, einem abgelegenen Gartengrundstück. Seit ein paar Jahren zog es ihn häufiger hierher, raus in die Natur, einen Rückzugsort, den er auch seine Sommerresidenz nannte, er sagte er zelebriere das reduzierte Leben. In dem ziemlich verwilderten Garten hatte Dirk eine kleine Wohnhütte und für Gäste dauerhaft über den Sommer ein geräumiges Zelt aufgebaut. Er selbst schlief normalerweise unter freiem Himmel. Seine Hütte war ans Strom- und Wassernetz angeschlossen und verfügte über eine Außenküche unterm Vordach der Veranda. Der Gentleman lud mich auf ein selbst gekochtes Gericht mit Buchweizen und Gemüse ein, wir unterhielten uns über die Natur und das Leben da draußen.
Zu diesem reduzierten Leben gehörte auch, dass er nur noch sehr selten Alkohol trank, ein klares Bewusstsein ist zum Schlüsselbegriff für sein Leben geworden. Da hab ich mich gleich als Ehrengast gefühlt als er mir dann doch – passend zu unserer Outdoor-Situation – von seinem ziemlich eigenwilligen Naturkräuter-Likör anbot, optisch und geschmacklich eine Art vergorener Balsamico. Ich war irgendwie überrascht vom Gentleman mit urbanem Stilbewusstsein, der sich als ganzheitlich denkender Outdoor- und Naturfan entpuppt.

Dirks Tage schienen deutlich mehr als 24 Stunden zu haben, die Palette seiner Aktivitäten war unendlich lang. Was auch immer ihn interessierte, er wollte es lernen und als Bestätigung für die absolvierte Ausbildung dann auch die entsprechende Prüfung holen, er selbst bezeichnete sich als Scheine-Sammler. Er glaubt an das Lernen als Lebensaufgabe und ist davon überzeugt, es ist etwas Belebendes immer wieder als Anfänger da zu stehen. Und er will das Gelernte möglichst sofort selbst umsetzen und auch an andere weitergeben.
So hat er im Laufe seines Lebens vielen Menschen Outdoor-Sportarten, wie Kanufahren oder Klettern, beigebracht und Erfahrungen als Reiseleiter für Expeditionen gesammelt. Dazu Kampfsportkünste, wie Boxen, Nahkampf oder Schwertkampf, einige bis zum Meistergrad. Während ich ihn besuchte absolvierte er gerade eine Ausbildung zum Ersthelfer, bei mehreren Hilfsorganisationen. Er lernte schnell und erhielt mit seinem „Schein“ sofort auch das Angebot, als Ausbilder bei einer der Organisationen zu beginnen.

Dirk erzählte mir, ein wichtiger Teil seiner persönlichen Entwicklung sei Disziplin: wenn er nicht gerade für einen Kunden auf Achse ist, hat er sich einen festen Tagesablauf angewöhnt. Er stehe sehr früh auf und folge einer umfangreichen Morgenroutine. Wenn er früher auf ist, so Dirk, dann fühle er sich besser vorbereitet für den Tag, und geistig schneller wäre er auch. Natürlich wollte ich das alles sehen und fotografieren, also begannen wir sehr früh am nächsten Morgen.

Treffen um sechs Uhr morgens war vereinbart, aber Dirk war natürlich schon viel früher auf. Ich dokumentierte seine Morgen-Routine: Körper- und Geistesübungen – ähnlich dem Yoga: Fünf Tibeter, Makko-Ho, Meridian-Dehnübungen, Affirmationen, Meditation. Anschließend Frühstück: ein gesundes Müsli mit Reismilch, dazu Tee. Danach wurde es körperlicher und Dirk begann mit Trainingseinheiten, beispielsweise kletterte er an einem zwischen zwei Bäumen herabhängenden Tau hoch.

Zum Abschluss des Fototages reserviert Dirk noch einen Tisch in einem Restaurant oben auf dem Fernsehturm. Unser Tagesprogramm hat sich allerdings als Mammut herausgestellt und wir finden keine Zeit mehr für eine Dusche, stattdessen springen wir unterwegs in den Rhein und schwimmen eine Runde, vor beeindruckender Industriekulisse. Passend dazu fährt Dirk immer einige Anzüge in der Garderobe seines VW-Busses herum, dann haben wir zufällig auch noch die gleiche Größe – also gehe ich perfekt gekleidet zum Abschlussdinner.

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